Was genau ist Angst?

Wenn man von Angst spricht, bezieht sich diese in aller Regel auf ein reales, fassbares Objekt. Dies können eine unangenehme Lebenssituation, eine Begegnung mit einem unangenehmen Zeitgenossen oder, insbesondere bei Kindern, ein fiktives Monster sein. Doch diese Auffassung von Angst ist nicht ganz richtig.

Alle oben genannten Beispiele haben gemein, dass man sich konkret vor ihnen fürchtet. Der richtige Begriff, der anstelle von “Angst” hier benutzt werden muss, ist “Furcht”. Ängste haben stets etwas völlig Unbestimmtes als Objekt, etwas nicht wirklich Fassbares. Lebens- und Existenzängste fallen in diese Kategorie, sofern sie keine erkennbaren Ursachen haben wie akuten Geldmangel oder gesundheitliche Probleme. Und dennoch kann sich natürlich eine klar beschreibbare Furcht aus der Angst entwickeln. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass es sich um einen bereits mit Angst behafteten Menschen handelt. Somit ist die Angst der Furcht übergeordnet.

Angst ist etwas Ungeliebtes. Oft steigert sie sich zu defensivem Verhalten, das schnell in Hass umschlagen kann. Dieser Hass projiziert sich dann auf greifbare Objekte und Personen, was nicht selten zu Gewalttaten führt. Dieser Umstand lässt darauf schließen, dass Angst die Mutter des Hasses darstellt. Das Gegenteil von Liebe wäre demnach keineswegs Hass, sondern Angst.

Sowohl Angst als auch Furcht lässt sich psychologisch behandeln. Nicht selten sitzen Ängste dermaßen tief, dass lange Therapien notwendig sind, um ihnen zu begegnen. Doch ein Leben ohne jede Form von Angst oder Furcht sollte sich dennoch niemand wünschen. Es ist insbesondere die Furcht, die uns zur Vorsicht mahnt. Ohne sie würden wir vertrauensvoll in jede erdenkliche Falle tappen. Wenn wir dagegen lernen, unsere Ängste als Teil von uns selbst zu lieben, fällt der Umgang mit ihnen leichter – und wir umgehen den Weg des Hasses.

Comments are closed.

Categories

Archives

Blogroll